Apple stellt iPhone vor

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Die Gerüchteküche hat sich in den vergangenen Tagen förmlich mit Meldungen zu potenziellen neuen Produkten überschlagen, die am Dienstag vorgestellt werden sollten, und doch hat Apple es einmal mehr geschafft alle Fans und die gesamten Medien und Analysten komplett zu überraschen. Nach einer kleinen Einführung machte Apple-Chef Steve Jobs ziemlich schnell klar, dass es an diesem Tag -keine- Neuigkeiten zum Mac zu verkünden gab. Software mit eingeschlossen. Verwunderung machte sich breit, hatte man doch besonders in Puncto Software viel erwartet. iWork und iLife 07 sind fällig, die Veröffentlichung von Mac OS X 10.5 Leopard steht vor der Tür. Irgendwie dünkt dem geneigten Fan jetzt schon, dass es bald wohl noch eine weitere Veranstaltung von Apple geben wird, hatte Jobs in der letzten Keynote doch von einem Leopard-Release im ersten Quartal 2007 gesprochen. Lassen wir uns überraschen, lange werden wir bestimmt nicht warten müssen.

Wie auch immer, nachdem geklärt war, was nicht an die Reihe kommt, ging es mit einem Update zum schon im letzten Herbst angekündigten iTV weiter. Es bleibt beim schon angekündigten Preis von $299 (€ 299), bestellbar ab sofort und ab Februar lieferbar. Interessant waren die Details, über die Jobs dieses mal etwas genauer sprach. So bringt iTV, dessen offizieller Name nun „Apple TV“ lautet, eine 40GB Festplatte mit, unterstützt WLAN nach dem neuen 802.11n Standard und streamt entweder wie angekündigt von bis zu 5 PCs oder Macs, oder es lädt sich seine Daten direkt aus dem Internet. In iTunes synchronisiert man es wie einen iPod, so hat man die übliche Kontrolle über den gewünschten Inhalt. Apple TV unterstützt alle Fernseher von PAL bis zu 720p HDTV über HDMI oder Component Video und bringt die schon bekannte Apple Remote Fernbedienung mit.

Das Kapitel Apple TV zufriedenstellend abgehakt kam Jobs nun auf die Gerüchteküche zu sprechen, und dann ließ er die Bombe platzen: Apple stelle an diesem Tag vor:

- Einen Widescreen iPod
- Ein Mobiltelefon
- Und einen Communicator

Die Menge raste schon, doch ein Fünkchen zur ganzen Wahrheit fehlte noch… Das alles kommt in einem Gerät!

Und wahrhaftig, nach einer zweieinhalbjährigen Entwicklungszeit hat Apple ein bahnbrechendes erstes Mobiltelefon-Produkt vorgestellt, so wie es keiner erwartet hat. Nur 11,5 mm dick unterstützt es GSM+EDGE, WLAN und Bluetooth 2.0 EDR, eine zwei Megapixel Kamera, und hat einen fast vollflächigen, hochauflösenden Bildschirm, der nur von einer einzigen Taste gesäumt ist. Neben dieser „Home“ genannten Taste zum Aufruf des Hauptmenüs erfolgt die restliche Bedienung vollständig über einen neuartigen Touchscreen, welches Apple Multitouch nennt. Kein Stylus ist hierfür nötig, zur Bedienung verwendet man einzig und allein seine Finger, und wie der Name schon suggeriert nicht nur einen, denn auch Eingaben mit mehreren Fingern werden erkannt. Das System ist sehr intuitiv zu werden, so benutzt man seine Finger so, wie man sie auch in der realen Welt benutzen würde. Möchte man zum Beispiel durch eine Liste scrollen, so streicht man einfach mit dem Finger über das Display, und schon bewegt sich der Inhalt mit einer sauberen Animation in die entsprechende Richtung. Bilder blättert man weiter wie wenn man eine Buchseite umschlägt, und Alben dreht man um einen Titel zu wählen. Das Look & Feel des Systems ist einfach phantastisch, und nur schwer mit Worten wiederzugeben.

Aber dem war noch nicht genug, so überschlug sich Jobs förmlich mit dem präsentieren von neuen Features. Ein Näherungssensor schaltet beispielsweise das Display sowie den Touchscreen ab, sobald man das Gerät an das Ohr hält. Das spart einerseits Strom, und verhindert so versehentliche Eingaben während dem Telefonat. Ein weiterer Sensor misst die Umgebungshelligkeit, ähnlich wie es bei der Tastaturbeleuchtung der PowerBooks und MacBook Pro gemacht wird, und regelt daraufhin die Helligkeit des Displays. Ein Accelerometer stellt fest ob das Gerät gedreht wird, und schaltet so jederzeit automatisch zwischen normaler und Breitwandansicht um, wenn das Gerät gedreht wird.

Auch auf Software-Seite überzeugt Apples Mobiltelefondebüt. Neben einer umfangreichen iPod-Funktionalität inklusive Cover-Flow zeigte Jobs das Adressbuch, den Kalender, Fotos, Widgets, POP3, IMAP, und IMAP „push“ E-Mail, Rich Text E-Mail und einen vollständigen Safari Webbrowser, und das mit bisher auf einem Mobiltelefon ungesehener Eleganz, Einfachheit und Geschwindigkeit.

Technisch setzt die iPhone-Software laut Jobs auf Mac OS X auf, wobei er jedoch hier keine weiteren Details nannte. Er betonte jedoch, dass viele der auf dem Desktop üblichen Bibliotheken wie Cocoa(!), Core Animation(!!), Sound, Video, etc, etc unterstützt würden. Ob das aber auch heißt, dass man das iPhone mit selbst geschriebenen Anwendungen erweitern kann, dass ließ er leider offen. Im Grunde dürfte Apple hier jedoch keine große Wahl haben, ist die Konkurrenz doch hier grundsätzlich sehr offen, was die Dokumentation von Programmierschnittstellen angeht. Die nächsten Monate werden es wohl zeigen.

Die Laufzeit wird mit 5 Stunden im Normalbetrieb (Surfen, E-Mails, Video) und mit 16 Stunden beim Musik hören angegeben. Angeboten wird das iPhone in den USA ab Juni, vorher muss es aber noch von der FCC zugelassen werden. Zur Verfügung stehen wird es in einer 4GB Version für $ 499 und in einer 8GB Version für $ 599, allerdings nur inklusive einem zweijährigen Cingular Vertrag. In Europa soll es im vierten Quartal 2007 erhältlich sein, und in Asien letztlich in 2008. Ob und wie in Europa ebenfalls exklusiv mit einem Netzbetreiber zusammengearbeitet werden wird blieb leider ebenfalls offen.

Fazit: Auch wenn ich ein wenig verwundert über das vollständige fehlen von Softwareankündigungen war, so bin ich doch sehr positiv von der Keynote und vom iPhone überrascht. Es scheint schier unglaublich, was Apple dort auf kleinstem Raum alles integriert hat, und mit solch einem furiosen Einstieg Apples in den Mobiltelefonmarkt hat wohl niemand gerechnet. In puncto Design, Ausstattung und Bedienbarkeit wird das iPhone bestimmt ein Renner, auch wenn es nicht gerade günstig sein wird. Und „there‘s more to come“, wie Steve Jobs nebenbei noch erwähnte. Wer weiß, vielleicht macht es Apple ja wie bei den iPods: Erst die großen und teuren Geräte, später dann die günstigen für die Massen. Ich auf jeden Fall weiß jetzt schon welches Obst auf meinem nächsten Mobiltelefon abgebildet sein wird. Winking

-Daniel
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